Seit 4 Monaten
Klinikseelsorgerin im UKD -
Fragen und Antworten
Fragen der dienstältesten evangelischen Pfarrerin Simone Bakus an die dienstjüngste katholische Klinikseelsorgerin Markéta Jahneke
Simone Bakus: Markéta, du bist jetzt seit 4 Monaten bei uns als Katholische Klinikseelsorgerin im Team der Klinikseelsorge.
Was hat dich als langjährige Intensivkrankenschwester motiviert, Klinikseelsorgerin zu werden?
Markéta Jahnecke: …im schwerstkranken Patienten und seinem Leid die Begegnung mit dem Menschen und Gottes-Liebe gleichermaßen.
Ebenso die Begeisterung und die Liebe für jeden Menschen.
Auch die Zumutung Gottes, dass dem Menschen durch Menschen aus Gottes Kraft geholfen, dass er gehalten und gestärkt wird.
Simone Bakus: Was war für dich eine eindrückliche Begebenheit oder Erfahrung in den vergangenen 4 Monaten, die du mit uns teilen möchtest?
Markéta Jahnecke: … ich bin beschenkt durch wundervolle Kollegen,
Kollegen der kath. und der evang. Seelsorge, dies hat mich wirklich berührt.
Auch die Mitarbeitenden am UKD hießen mich sehr freundlich willkommen.
Ich bin auch weiterhin beeindruckt von der fortschrittlichen Medizin die heute den kranken Menschen zu Verfügung steht.
Simone Bakus: Was hältst du nach 4 Monaten für den größten Schatz in der Klinikseelsorge?
Markéta Jahnecke: …den Menschen. Um des Menschen Willen.
Simone Bakus: Wenn du mit Gott eine Tasse Kaffee trinken könntest, welche 3 Fragen würdest du ihm als Klinikseelsorgerin stellen?
Markéta Jahnecke: …ich hoffe dann habe ich keine Fragen mehr, denn er ist für mich die Antwort.
Simone Bakus: Markéta, hast du in den vergangenen 4 Monaten schon eine Idee davon bekommen, für was du dich persönlich in der Zukunft in der Klinikseelsorge besonders engagieren möchtest?
Markéta Jahnecke: … ich bin offen und schaue und höre im Moment den Menschen und den Kollegen viel zu.
Mein momentaner Fokus liegt in spiritueller Begleitung, der Unterstützung in Gesprächen für Patienten, Mitarbeitende und Angehörige.
Ich mache mir Gedanken über ethische Fragen.
Simone Bakus: Vielen Dank für deine Antworten.
Und gibt es noch etwas, was du von mir als evangelischer Dienstältesten in der Kliniksorge gerne wissen möchtest?
Markéta Jahnecke: …vorerst bin ich dir sehr dankbar für das Teilen deiner Erfahrungen und deines Wissens.
Und natürlich habe ich auch einige Fragen, die ich dir jetzt gerne stellen würde.
Markéta Jahnecke: Welche Entwicklung hat die Klinikseelsorge in den letzten Jahren genommen?
Simone Bakus: In aller Kürze: Ich bin seit 1998 Klinikseelsorgerin in der Uniklinik. In dieser Zeit ist die ökumenische Zusammenarbeit gewachsen – in der gemeinsamen Rufbereitschaft während der Woche, in der Öffentlichkeitsarbeit und in der gemeinsamen Verantwortung für Gedenkfeiern in der Palliativmedizin, für verstorbene Kinder oder verstorbene Mitarbeitende des UKD. Ursprünglich evangelisch – haben wir Evangelischen für die Musikalischen Mittagspausen die katholische Klinikseelsorge mit ins Boot genommen. Darüber hinaus hat sich ökumenischer Teamgeist in gemeinsamen Dienstbesprechungen, beim gemeinsamen Mittagessen oder gemeinsamen Betriebsausflug entwickelt.
Was sich auch entwickelt hat: Die Klinikseelsorge hat als vierte Säule mit der Spiritualität neben den anderen drei Säulen Medizin, Pflege und psychosozialen Diensten einen festen Platz in der Palliativmedizin.
Ebenso sind wir von der Klinikseelsorge berufene Mitglieder im Klinischen Ethikkomitee. Wir können daran mitwirken, dass ethische Konflikte bearbeitet werden und Handlungsabläufe zum Wohl der Patient*innen gestaltet werden.
Markéta Jahnecke: Wie schützt man sich davor, konfrontiert mit täglichem Leid und Tod, selbst nicht auszubrennen?
Simone Bakus: Was mich vor dem Ausbrennen in den vielen Jahren geschützt hat: Ich erlebe meine Arbeit als Klinikseelsorgerin fast immer als sinnvoll und tue sie nach wie vor mit Freude. Wenn ich etwas Schweres erlebt habe sorge ich dafür, dass ich eine Pause mache, dass ich mich mit Kolleg*innen darüber austauschen kann, und dass auf das Schwere auch etwas Leichtes als Ausgleich folgt: nicht nur ein „Sterbeseminar“, sondern auch ein Oasen-Tag für Mitarbeitende, nicht nur eine Krisenintervention, sondern auch der Austausch mit jungen Menschen bei Students for Kids oder ein bisschen Schreibtischarbeit für unterschiedliche Projekte.
Markéta Jahnecke: Wo stößt du im System Krankenhaus selbst an Grenzen?
Simone Bakus: Eine Grenze, die ich als sehr schmerzlich erlebe ist: Wenn ich sehe, wie Patientinnen und Patienten leiden, und ich sie sogar als sterbend erlebe, und es wird einfach weiter therapiert und ein Sterben in Würde verhindert. Das finde ich sehr schwer auszuhalten. Ebenso erlebe ich „Kommunikation“ in der Klinik oft als schwierig. Ärzt*innen und Pflegende haben wenig Zeit in der Visite. Dann bleiben Patient*innen und oft auch Angehörige mit ihren unbeantworteten Fragen zurück, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Markéta Jahnecke: Was ist dein persönlicher Anker nach einem Arbeitstag als Klinikseelsorgerin?
Simone Bakus: Ich fahre täglich mit dem Fahrrad über die Fleher Brücke über den Rhein. Dieses Bild begleitet mich auch innerlich. Ich lasse morgens mein Zuhause hinter mir und nachmittags die Arbeit in der Klinik. Ein stiller Moment in der Klinikkapelle oder eine Kerze anzünden hilft mir meine Erfahrungen in der Klinik Gott zu überlassen und darauf zu vertrauen: Er wird sich der Menschen gut annehmen.
